REFLECT AND ACT!

03 Aug, 2009

Digital Storytelling

Geschrieben von: REFLECT in: Digital Storytelling

Digital Storytelling verbindet Bilder, Text und Musik zur multimedialen Geschichte. Tagebuch schreiben war gestern- die moderne Form, Gedanken und Gefühle auszudrücken heißt Digital Storytelling (DST). In kurzen Videoclips von zwei bis vier Minuten wird in Bild, Musik und gesprochenem Text eine persönliche Geschichte festgehalten und für andere abrufbar gemacht. Der erste Schritt bei der Entwicklung einer digitalen Geschichte ist die Ideensammlung. Erlaubt ist, was gefällt.

Bericht aus dem BodenseeCamp-Magazin Campus delicti V:

Die beiden Workshopleiter Jonny Rinderer und Conny Ammann legen aber großen Wert darauf, dass die Geschichten die Persönlichkeit der acht Teilnehmer widerspiegeln und aus ihrem Leben gegriffen sind. »Die Jugendlichen sollen lernen, Medien kreativ zu nutzen und nicht nur passiv aufzusaugen«, fordert Workshopleiter Jonny Rinderer. Zusammen mit Conny Ammann leitet er bereits seit einigen Jahren Kurse unter dem Motto »reflect and act«.

Die gleichnamige Internetplattform bietet Medieninteressierten die Möglichkeit, ihre Gedankenwelt medial zu reflektieren und kreativ zu gestalten. Die beiden Workshopleiter nutzen unter anderem in der Suchtprävention dieses Verfahren, um »die Sozial- und Medienkompetenz der jungen Menschen zu fördern und zum Darstellen ihrer Lebenswelt anzuregen«. In den Kursen der beiden finden Jugendliche Zugang zu Medien und lernen ein Thema auf mehreren Ebenen zu verarbeiten. In einem Beispielvideo, das in Connys und Jonnys Jugendarbeit entstanden ist, verarbeitet ein junges Mädchen sehr persönlich und bewegend ihre Drogenvergangenheit und den Weg aus der Sucht.

Ist die passende Idee dann gefunden, müssen die Gedanken in strukturierter Form niedergeschrieben werden. Kurz und prägnant sollen die Texte sein, eine klare Aussage und Botschaft vermitteln. Die Geschichten der Workshop- Teilnehmer sind so unterschiedlich wie sie selbst: Alexandra räumt mit Vorurteilen und Klischees gegen ihre angebliche PC-Sucht auf, Gregor beschreibt seine Liebe zur Musik und Lukas verschiedene Definitionen von Glück. Vera hat aus ihrer Not ein passendes Thema zu finden eine Tugend gemacht. Sie gibt ihre Schwierigkeiten beim kreativen Ideensammeln und Tipps ihrer Mitmenschen gegen Ideenlosigkeit in ihrer Digital Story wieder. Sobald der Text steht, muss dieser in Bildern festgehalten werden. Eigene Fotografien, Zeichnungen oder Vorlagen aus dem Internet illustrieren die Geschichte.

Das Aussuchen der Bilder kann mühsam sein, da man nicht auf urheberrechtlich geschützte Fotos zurückgreifen darf. Im Schnitt werden für ein Video 26 Bilder benötigt, die dann in einem Computerprogramm zusammengesetzt und bearbeitet werden können. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, um die Wirkung des Textes in bildlicher Darstellung zu verstärken. Beim Schreiben des Textes sollte deshalb schon in Bildern gedacht werden. »Das Script sollte aber auf keinen Fall ein reines Beschreiben der Bilder sein.«, rät Workshopleiter Jonny. Der vierte Schritt zum selbst gestalteten Videoclip ist das Aufnehmen des geschriebenen Textes. So bekommt das Video eine persönliche Note, was unter anderem den Reiz des Digital Storytelling ausmacht.

Was bei keinem guten Film fehlen darf, ist die Hintergrundmusik. Hier bietet sich Instrumentalmusik an, die mit der Sprachaufnahme nicht konkurriert. Die richtige Auswahl der Musik ist entscheidend, um dem Zuschauer Emotionen zu vermitteln. Gregor kann sogar auf Songs seiner eigenen Band zurückgreifen, was sein Werk authentisch macht. Er ist von seiner Workshop-Wahl sehr begeistert, weil er den DST-Workshop für eine Kombination aus allen anderen Workshops hält. Zum Schluss erfolgt die Postproduktion. Dabei werden die Bilder und die Sprachaufnahme zusammengelegt und bearbeitet. Die fertigen Videos können anschließend in Internet veröffentlicht werden und ersparen so neugierigen Mitmenschen das Stöbern in fremden Tagebüchern.

Der Text wurde auf dem BodenseeCamp von Ruth Flierl geschrieben.


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